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Die Zukunft der Privatsphäre: Es braucht Standards und Regeln

Der Futurist – die neue Rubrik von Gerd Leonhard in ALPHA. 3. Folge – Intelligente Software und mobile Apps können uns voraussagen, was wir als nächstes tun werden. Sie kennen uns teilweise schon besser, als wir es selber tun, denn sie verknüpfen Daten miteinander, die wir zum Beispiel mit unseren Smartphones über uns preisgeben. Die digitale Überwachung hat grosse Auswirkungen auf unser Leben, birgt die Gefahr des Missbrauchs – auch wenn sich viele von uns dessen noch gar nicht bewusst sind. Deshalb braucht es Regelungen für den Umgang mit unseren Daten.
Es ist sicherlich eine gute Sache, wenn wir Terroristen im Internet besser identifizie-ren können oder wenn Verbrechen durch Überwachung verhindert werden können. Bloss: Die Technologien, die das möglich machen, haben aber auch eine andere Seite. Mit unseren Einkäufen, unserem Telefon- sowie unserem Einkaufsverhalten im Internet geben wir über Suchmaschinen und mobile Apps Daten über uns preis, die in ihrer Tiefe und vernetzt miteinander mehr über uns verraten als uns lieb sein kann. Die Gefahr des Missbrauchs ist natürlich nicht von der Hand zu weisen. Deshalb befürworte ich eine globale Regelung, was mit den Daten und Spuren, die wir mit unseren digitalen Helfern hinterlassen, getan werden darf.
Selfies stellen viele heute bedenkenlos ins Netz. Algorithmen und intelligente Soft-ware machen unsere Gesichter heute ganz schnell erkenn- und vergleichbar. Ver-knüpft mit man diese Bilder mit anderen Daten, lassen sich oft Wege, Gewohnheiten und Vorlieben erkennen. Profiling wird so immer einfacher. Wenn Sie eine Seite auf Facebook „liken“, lässt sich mit 85-prozentiger Sicherheit ihre politische Einstellung berechnen. Der Technologie des Data-Minings, das die Analyse von grosse Zahlenmengen erlaubt, sei Dank. Auch über die sexuelle Orientierung und Religion lassen sich mit hoher Zuverlässigkeit Aussagen machen. Was ist der Preis, den wir dafür bezahlen?
Facebook-Gründer Mark Zuckerberg sagte 2010 voraus, dass Privatsphäre keine soziale Norm mehr sei. Heute erleben wir, wie Menschen ihre Privatsphäre freiwillig für coole Netzwerke aufgegeben. Aus den Spuren, die wir dort hinterlassen, wissen
Firmen, was gut ist für mich und beliefern mich ungefragt mit Angeboten.
Müssen wir damit rechnen, dass es künftig keine Privatsphäre mehr geben wird? Aber trotz anderslautender Aussagen, zum Beispiel von Google-Chairman Eric Schmidt, bin ich der Meinung, dass diese noch nicht verloren ist und wir auch künftig Daten offen austauschen werden.
Voraussetzung dazu ist allerdings, dass der Umgang mit unseren digitalen Daten geregelt wird. Um die negativen Auswirkungen der heutigen Entwicklung zu begrenzen, befürworte ich eine globale Regelung des Umgangs mit unseren Daten. Diese beinhaltet:

  • Transparenz: Die Datensammler sollen aufzeigen, was sie sammeln und wie die statistischen Verknüpfungsalgorithmen die Informationen verarbeiten.
  • Selbstregulierung: Ändern Netzwerke und Plattformen ihren Umgang mit Daten nicht grundlegend, sind sie in wenigen Jahren tot.
  • Anleitungen: Unternehmen wie Google und Facebook sollen den Nutzern nachvollziehbar aufzeigen, wie sie ihre Privatsphäre schützen können.
  • Sozialvertrag: Es braucht ein gemeinsames Verständnis zwischen Anbietern, Unternehmen und Nutzern darüber, was ethisch vertretbar ist und erlaubt sein soll. Dazu gehört auch die Förderung der digitalen Kompetenz der Nutzer.
  • Kontrolle: Es braucht griffige Datenschutzgesetze sowie globale Standards und Regeln im Umgang mit der Datennutzung.

Ich bin zuversichtlich, dass es in wenigen Jahren neue Standards im Umgang mit der Nutzung von Daten geben wird. Noch stehen wir am Anfang. Doch immer mehr Unternehmen, Nutzer von digitalen Geräten und Politiker haben erkannt, dass die digitale Transformation, welche überwiegend gute Seiten hat, nur dann gelingen kann, wenn ihr die Privatsphäre nicht geopfert wird.

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