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Die Trends der Zukunft, präsentiert von Zukunftsberater Gerd Leonhard

Was bringt uns die Zukunft? Das Magazin Context des Kaufmännischen Verbandes Schweiz hat bei Gerd Leonhard, Futurist und Keynote-Redner, nachgefragt und präsentiert Trends, welche in den nächsten Jahren relevant sein könnten.

Im Frühling 1987 fand im Restaurant «Windows On The World» im Nordturm des World Trade Centers in New York eine Zeitkapselzeremonie statt. Die Zeitkapsel war gefüllt mit Vorhersagen von renommierten Science-Fiction-Autoren, die sich als «Writers of The Future» bezeichneten. Ihre Vorhersagen bezogen sich auf das Jahr 2012, zum damaligen Zeitpunkt also 25 Jahre in der Zukunft. «AIDS wird zur weltweiten Todesursache Nummer Eins», lautete eine der Prognosen, oder: «Es wird nur noch wenig Sex ausserhalb der Ehe geben.» Ausserdem: «In Westeuropa und Japan wird ein Netzwerk von schwebenden Supraleitzügen im Aufbau sein.»
Prognosen, welche in der Vergangenheit für einen ebenfalls bereits zurückliegenden Zeitpunkt gestellt  wurden, haben oft etwas Kurioses an sich. Wir amüsieren uns darüber und fühlen uns als Experten. Wir stellen fest, welche Prognosen eingetroffen sind, und wo sich die Urheber der Vorhersagen vertan haben. Geht es hingegen um Zukunft, überlassen wir das Feld lieber den Experten. Context hat den Futurologen Gerd Leonhard* gebeten, bezüglich sieben Bereichen Trends aufzuzeigen, welche seiner Meinung nach in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren relevant sein werden.
Prägend für die Wirtschaftwird sein, dass es mit dem «Extrem-Kapitalismus» (Profit unter allen Umständen) zu Ende geht. Der globale Trend führt hin zum «nachhaltigen Kapitalismus», wobei der Mensch beziehungsweise die Umwelt im Vordergrund stehen (people, planet, profit). Aufgrund von globalen Herausforderungen wie zum Beispiel Klimawandel, Terrorismus oder Cyberwarfare wird die globale Interdependenz das Prinzip der nationalen Unabhängigkeit ersetzen.
Immer mehr Arbeit wird durch smarte Software und von Robotern erledigt. Bis 2030 verschwinden 50% der Arbeitsplätze. Wesentlich mehr Menschen arbeiten wieder mit der rechten Gehirnhälte (Vorstellung, Kreativität, Intuition), anstatt sich mit Computern zu konkurrenzieren. Es entstehen völlig neue Jobs wie zum Beispiel Privatsphären-Manager oder Supervisoren für künstliche Intelligenz.
In den nächsten 15 Jahren werden bis zu 30% der Schul- und Universitäts-Abgänger neue Firmen gründen. Dazu wird es ganz andere Fähigkeiten brauchen als diejenigen, welche momentan in den Schulen vermittelt werden. Weil Menschen immer älter werden, wird Bildung zum lebenslangen Prozess. In den Schulen vermittelt man nicht mehr das, was Computer bereits besser können.
Die heutige Gesellschaft setzt Technologie zunehmend als externes Gehirn ein. Dies führt zu einer Abhängigkeit beziehungsweise Entkörperung von Kommunikation. Langfristig werden wir weniger arbeiten oder sogar permanent arbeitslos sein. Das Bedingungslose Grundeinkommen ist eine Option.
In etwa drei bis fünf Jahren werden die BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika) ihre «Konsumieren-wie-in-USA-Phase» hinter sich haben. Danach kommt es zu einer Periode von weniger Konsum. Die Sharing Economie, also das Teilen von Produkten und Dienstleistungen, wird zunehmen.
Geld wird in den nächsten fünf bis zehn Jahren komplett digital. Banken werden bis zu 50% ihrer Umsätze an Startups, Internet-Giganten und Telekomfirmen verlieren. Der Dollar wird nicht mehr die globale Währung sein, sondern von einer internationalen digitalen Currency abgelöst.
Weil alles digital ist, werden reale Erfahrungen wieder wichtiger. Die Natur als Gegenpol zur digitalisierten Welt und somit auch Themen wie Umweltschutz und Klimawandel nehmen an Bedeutung zu. Aufgrund des Wandels in der Arbeitswelt steht immer mehr Freizeit für eigene Projekte und Ideen zur Verfügung.

Hier gehts zum Artikel als PDF.

The Future Show: Gerd Leonhard about the Future of Work and Jobs.

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