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Roboterjournalisten: Nützliche Helfer – aber auch gute Rechercheure?

Künstlicher Intelligenz sei Dank. Roboter können heute Texte schreiben und recherchieren. In Nischen ersetzen die Maschinen bereits Journalisten. Nicht nur das: Sie übersetzen zum Beispiel die von ihnen geschriebenen Wirtschafts- und Sportberichte auch noch in Sekundenschnelle in fünf Sprachen. Journalisten und vermutlich auch Leser werden ob des Maschinenjournalismus‘ kaum in Entzückung fallen. Die Verleger wohl eher, denn sie können damit Kosten sparen.
In der „Berliner Morgenpost“ schreibt eine Software eigenständig Artikel über die Feinstaubbelastung in der Stadt. Auch in der Berichterstattung über Wirtschaft und Sport finden Maschinen Verwendung. Noch werden die meisten Artikel in den Zeitungen von Menschen geschrieben, doch das könnte sich ändern. Die Entwicklung Künstlicher Intelligenz macht nicht halt vor den Medien.
Lesen wir künftig Zeitungen und Magazine, die nur noch von Robotern geschrieben werden? Ich denke nein. Aber Roboter können hervorragende Helfer für die Journalisten und damit auch für die Leser sein. Kein Journalist hat die Zeit, Millionen von Webseiten und Datenbanken zu durchforsten sowie die gefundenen Informationen zu analysieren. Der Roboter schafft dies in Sekunden und verhilft dank der maschinellen Bewältigung der Datenflut zu neuen Einsichten.
Narrative Science ist der führende Anbieter von Roboterjournalismus-Software. Ein Teil der Artikel im Magazin „Forbes“, die voraussichtliche Entwicklung von Unternehmenszahlen, werden von den Algorithmen des amerikanischen Technologie-Unternehmens generiert. Man gibt dabei einige Daten ein, welche die Software in Sekundenschnelle in gut lesbare Texte verwandelt. Auch die Nachrichtenagentur AP benutzt eine Software, die Quartalsberichte von Unternehmen schreibt.

Roboterjournalisten haben keine eigene Meinung

Der grösste Vorteil des Roboterjournalisten ist gleichzeitig auch sein grösster Nachteil: Er ist nicht menschlich. So nützlich die Maschine bei der Beschaffung, Sortierung und Interpretation von Daten ist, so begrenzt sind ihre Möglichkeiten. Denn Reportagen, die Stimmungen widerspiegeln, und Analysen sowie Kommentare, in denen auch eine Meinung zum Ausdruck kommt, kann sie nicht liefern – noch nicht, muss man vielleicht dazu sagen.
So wird man den Roboter vor allem dann einsetzen, wenn aus einer grossen Menge von Daten nach immer gleichem Muster Texte erstellt werden sollen, die vor allem Servicecharakter haben. Zum Beispiel auch bei der Wettervorhersage. Dabei gilt es die meteorlogishen Daten auszuwerten und in Standardformulierungen umzusetzen. Wie oft haben Sie schon den folgenden Satz gehört: „Am Montag wird es kühl, es ist mit ausgiebigen Niederschlägen zu rechnen. Vergessen Sie den Regenschutz nicht“? Auch in der Sportberichterstattung finden immer wieder dieselben Floskeln Anwendung. Denken Sie nur an „die Luft ist draussen“ oder „ein frühes Tor würde dem Spiel guttun“.
Hätte „Narrative Science“ die Affäre um den Schweizer Armeechef Nef aufgedeckt? Ich denke nicht. Die komplexen Zusammenhänge hätte die Software nicht entschlüsseln können. Roboterjournalisten haben ganz andere Fähigkeiten. Sie können Journalisten aus Fleisch und Blut entlasten, die sich nun den wirklich wichtigen Themen widmen können und menschliche Akzente in den Medien setzen, indem sie Nachrichten einordnen in einen höheren Kontext – die Kernaufgabe der Medien.

Hier gehts zum Beitrag von Gerd Leonhard in ALPHA (PDF).

 

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