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Wir müssen das Recht haben, offline zu sein – Interview mit Gerd Leonhard zur Schweizer Wirtschaft via watson.ch

Interview von Fabian Hock mit Gerd Leonhard, publiziert am 17. Mai 2016 auf watson.ch…über Technologie-Trends, Bedrohungen für die Schweizer Wirtschaft und wie Arbeitnehmer auf die Digitalisierung reagieren sollten.“ Nachfolgend das Gespräch:

Gerd LeonhardHerr Leonhard, was ist der grösste Trend in Sachen Technologie?
Gerd Leonhard: Exponentielle Technologien verlagern das Internet: früher waren es Websites, dann kamen die Apps – jetzt kommt die künstliche Intelligenz und intelligente Assistenten wie Siri, Cortana, VIV und Echo. Wir leben dann sozusagen in der Datenwolke, in einem «globalen Gehirn». Momentan ist das noch umständlich und teuer, aber da geht es ganz klar hin.

Was bedeutet das für die Schweizer Wirtschaft?
Für Firmen, die hauptsächlich Hardware herstellen, wird es wohl eher schwierig werden. Sie müssen erkennen, dass immer öfter Hardware zu Software wird. Nehmen Sie das Auto: Das ist in Zukunft Software auf Rädern.

Vielleicht innendrin, aber physische Teile braucht es doch trotzdem?
Der Tesla besteht aus ca. 60 grossen Teilen und viel Software. Ein BMW hat immer noch Tausende von grossen, mechanischen Teilen. Niemand braucht in Zukunft mehr eine mechanische Kupplung im Auto, Elektroautos haben keine. Das Physische wird unwichtiger.

Wenn Swatch sagt, dass die Uhr immer eine Uhr bleibt und Apple kein Konkurrent ist – irrt Swatch da?
Im unteren Preissegment könnte Swatch dadurch erheblich gestört werden. Im oberen nicht, denn da geht es um Fashion. Das Uhren-Business ist im hochpreisigen Bereich relativ sicher

Welche Branchen sind von der Digitalisierung am stärksten bedroht?
Die Welle der disruptiven Technologien trifft alle Branchen. Das Musik-Business hat es bereits getroffen, ebenso wie das Verlagswesen und Print. Momentan ist der Bankensektor dran. Danach kommt der Verkehrsbereich und die Energie. Auch das Pharma-Geschäft ist extrem bedroht – aber natürlich auch extrem beschützt. Je mehr Regulierung und Abschottung, desto länger dauert es, sich auf Neues einzustellen. Aber früher oder später kommt es zu allen: abwarten bedeutet irrelevant werden.

Sie sprechen dabei vom «TeslaMoment». Was bedeutet das?
Für Automobilfirmen kam dieser Moment, als sie realisierten, dass Tesla keine heisse Luft produziert. Das Ökosystem, das Tesla gebaut hat, die Batterien, die Tankstellen, die Software – auf einmal haben sie gemerkt: das geht!

Die Automobilfirmen haben diese Entwicklung nicht gesehen?
Manche haben sie gesehen, aber die meisten haben sie nicht ernst genommen.

Weiterlesen: Link zum Post auf Watson

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